Frühlingserwachen: Die Kraft der Natur

Wie Luft, Licht und Wald auf den Körper von Prostatakrebspatienten wirken

02.04.2026 I Lesedauer: ca. 4 Minuten

Älterer Mann beim Nordic Walking im herbstlichen Wald mit Sonnenlicht und bunten Blättern, aktiv und gesund unterwegs in der Natur

Nach einem langen Winter meldet sich der Frühling Schritt für Schritt zurück: Die Tage werden länger, die Temperaturen milder und erste Blumenknospen öffnen sich – überall ist Neubeginn spürbar. Dieses Aufblühen bleibt auch in uns nicht ohne Wirkung. Unser Körper reagiert auf mehr Licht, frische Luft und Naturreize mit positiven Effekten. Gerade für Männer mit Prostatakrebs kann diese Zeit ein guter Moment sein, die eigenen Kräfte wieder bewusster wahrzunehmen und die Wirkung der Natur gezielt zu nutzen.

 

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche wissenschaftlich belegten Effekte Naturräume auf Stress, Immunsystem und Fatigue haben – und wie Sie insbesondere den Wald als Unterstützung im Alltag einsetzen können.

Wie Natur auf den Körper wirkt

Viele Menschen spüren intuitiv, dass ihnen ein Spaziergang im Grünen guttut. Inzwischen lässt sich immer besser erklären, warum das so ist: Naturerleben wirkt nicht nur „beruhigend“, sondern hat auch nachweisbare körperliche Effekte. Wenn Sie bewusst Zeit in einer natürlichen Umgebung verbringen, laufen im Hintergrund verschiedene Prozesse ab:

 

    Nach Aufenthalten im Grünen sinken die Blutspiegel von Stresshormonen wie Cortisol – Körper und Geist entspannen.

    In der Natur gehen Herzfrequenz und Blutdruck zurück, die Atmung wird ruhiger – ein Zeichen dafür, dass der Parasympathikus als „Bremspedal“ des Nervensystems stärker aktiv ist.

    Bäume – vor allem Fichten, Tannen und Kiefern – geben Duftstoffe (Terpenoide) in die Luft ab. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass diese Substanzen entzündungshemmende, immunstärkende und nervenschützende Effekte haben.

    Bildgebende Verfahren zeigen dabei Veränderungen in Hirnarealen, die für Aufmerksamkeit, Gefühlsregulation und Grübelneigung zuständig sind. Viele Menschen erleben, dass der Kopf in der Natur klarer wird und sich das Gedanken-Karussell langsamer dreht. 

    Nach den dunklen Wintermonaten bekommt unsere „innere Uhr“ wieder stärkere Signale durch natürliches Tageslicht, der Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisiert sich. Gleichzeitig regen die Sonnenstrahlen die körpereigene Vitamin D Bildung an, und im Gehirn wird vermehrt Serotonin ausgeschüttet – das „Glückshormon“, das Stimmung und Antrieb positiv beeinflusst. Schon ein kurzer Spaziergang im Freien, auch wenn die Sonne nur durch Wolken hindurchscheint, kann diese Prozesse unterstützen und den Übergang vom Winter in den Frühling für Körper und Seele erleichtern.

    Sonnenlicht bei Krebsbehandlung – mit Vorsicht genießen: Während einer Chemotherapie und bei einigen zielgerichteten Therapien reagiert die Haut oft deutlich empfindlicher auf UV Strahlung. Schon kurze Sonneneinstrahlung kann dann zu starken Reizungen führen. Besprechen Sie deshalb mit Ihrem Behandlungsteam, wie viel Sonne für Sie aktuell sinnvoll ist, meiden Sie direkte Mittagssonne und nutzen Sie konsequent Schutzkleidung sowie Sonnencreme mit sehr hohem Lichtschutzfaktor (LSF 50+).

    Bewegung in der Natur: Schritte mit großer Wirkung

    Bewegung kann für viele Männer mit Prostatakrebs eine sanfte, aber wirksame Unterstützung für Körper und Immunsystem sein. Studien zeigen, dass regelmäßige, angepasste Aktivität Fatigue verringern, die Leistungsfähigkeit verbessern und die Lebensqualität während und nach der Therapie steigern kann. Besonders empfehlenswert ist eine Kombination aus moderater Ausdauerbewegung (z. B. Spazierengehen, langsames Radfahren) und leichten Kräftigungsübungen.

     

    Findet Bewegung in der Natur statt, verstärken sich diese Effekte: Während Sie Muskeln und Kreislauf trainieren, wirken Licht, frische Luft und der Blick ins Grüne stressreduzierend und heben Ihre Stimmung.

     


     

    "Waldbaden" gegen Fatigue

    Auch nach einer abgeschlossenen Krebstherapie spüren viele Patienten noch deutlich, wie sehr die Erkrankung nachwirkt – etwa durch anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten oder Schlafstörungen. Besonders belastend ist Fatigue, eine tiefe und anhaltende Erschöpfung, die den Alltag stark einschränken kann.

     

    Hier setzt Waldbaden an. Damit ist ein bewusst langsamer Aufenthalt im Wald gemeint. Es geht nicht darum, viele Kilometer zurückzulegen, sondern die Umgebung mit allen Sinnen wahrzunehmen: gehen, stehen bleiben, schauen, hören, riechen, berühren. Der Ansatz stammt aus Japan („Shinrin-yoku“) und wird heute auch bei Krebserkrankungen wissenschaftlich untersucht.

     

     

    Älterer Mann mit Frau sitzen auf dem Stein und schauen der Sonne entgegen

    Fragen, die Sie dabei leiten können:

    • Welche Farben, Formen und Bewegungen nehme ich wahr – unterschiedliche Grüntöne, Licht, Schatten, Wasseroberflächen und Spiegelungen?
    • Welche Geräusche höre ich – Vogelstimmen, Wasserplätschern, das Rauschen des Winds in den Bäumen?
    • Welche Gerüche liegen in der Luft – feuchte Erde, Moos, Holz, oder Regen?
    • Wie fühlt sich ein Blatt an, der Waldboden unter meinen Füßen, der Luftzug auf meiner Haut?

     


     

    Einfache Natur-Rituale für den Alltag

    Zwischen Kontrollterminen, Arztgesprächen und dem Versuch, den Alltag zu organisieren, bleibt oft wenig Raum, den Kopf freizubekommen. Kleine Rituale können helfen, die Kraft der Natur regelmäßig zu nutzen, ohne zusätzlichen Druck aufzubauen.

     

      Öffnen Sie einmal täglich bewusst ein Fenster, atmen Sie einige Male tief ein und aus und achten Sie gezielt auf das, was Sie sehen und hören.

      Ein langsamer Spaziergang im Park oder Wald, bei dem Sie bewusst schweigen, die Umgebung betrachten und sich Zeit lassen, kann beruhigend wirken – auch wenn er nur 15 bis 20 Minuten dauert.

      Setzen oder stellen Sie sich an einen ruhigen Platz. Atmen Sie langsam durch die Nase ein, zählen Sie innerlich bis vier, halten Sie kurz inne und atmen Sie dann länger aus (zum Beispiel auf sechs zählen). Wiederholen Sie diese Übung einige Male.

      Notieren Sie einmal pro Woche einen Naturmoment, der Ihnen aufgefallen ist – ein bestimmter Lichtblick, ein Duft, ein Geräusch. Das stärkt den Blick für das, was trotz allem guttut.

      Ein kleiner Kräutertopf oder eine Lieblingspflanze auf dem Balkon kann zu einem Symbol werden, das Sie durch die Jahreszeit begleitet. Schon das Gießen kann ein kurzer Moment der Achtsamkeit sein.

       

      Dieser Beitrag wurde vom wertvollER-Redaktionsteam ausgearbeitet.

      Literatur

         

         

        https://www.mpg.de/17194664/0714-bild-pm-2021-july-149835-x

        https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/mit-krebs-leben/bewegung-und-sport-bei-krebs/

        https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2352827321002093

        https://www.dkfz.de/aktuelles/pressemitteilungen/detail/trotz-chemotherapie-in-die-sonne

        https://www.lia.nrw.de/themengebiete/gesundheitsrisiken/physikalische_einwirkungen/Biologische-Wirkung-von-Licht/index.html

        Rahman, S.A., Wright, K.P., Lockley, S.W. et al. Characterizing the temporal Dynamics of Melatonin and Cortisol Changes in Response to Nocturnal Light Exposure. 
        Sci Rep 9, 19720 (2019). DOI: 10.1038/s41598-019-54806-7

        https://natuerlich.thieme.de/aktuelles/nachrichten/detail/waldbaden-bei-krebsbedingter-fatigue-und-depression-3831

        https://www.mpg.de/19179857/0906-bild-wie-beeinflusst-die-natur-das-gehirn-149835-x

        https://www.med.uni-wuerzburg.de/ccc/aktuelles/single/news/vortrag-waldbaden-bei-erschoepfung-nach-einer-krebserkrankung/

         


         

         

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