Der Prostatakrebs und seine Stadien

Mit etwa 22 Prozent ist Prostatakrebs in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts erkrankten im Jahr 2016 58.780 Männer an Prostatakrebs. 14.417 Patienten verstarben daran.

 

Prostatakrebs tritt in den meisten Fällen nach dem 50. Lebensjahr auf, das Durchschnittsalter der Patienten liegt bei 70 Jahren. Da es erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung zu Beschwerden kommt, wird häufig erst spät eine Diagnose gestellt. So ist der Prostatakrebs bei der Erstdiagnose in mehr als 20 Prozent der Fälle schon metastasiert und hat einen anderen Körperteil angegriffen.

Früherkennung des Prostatakrebses
 

Eine wichtige Rolle in der Früherkennung des Prostatakrebses spielt die digital-rektale Untersuchung (DRU), bei der der Urologe die Prostata mit dem Finger vom Enddarm aus abtastet. Bei der Früherkennung und bei auffälligen Ergebnissen in der DRU kommt der PSA-Test als wichtiger Indikator zum Einsatz. Beim prostataspezifischen Antigen (PSA) handelt es sich um ein Enzym, das auch in gesunden Prostatazellen gebildet wird und bei der Verflüssigung des Ejakulates mitwirkt.

 

Bei bösartigen Veränderungen der Prostata kann das PSA in höherer Konzentration im Blut vorkommen. So kann ein erhöhter Wert bereits sehr früh anzeigen, dass ein Prostatakrebs vorliegt, obwohl der Patient noch keine Beschwerden hat. Dadurch steigen die Heilungschancen und eingesetzte Therapien können schonender ablaufen. Bei bereits diagnostiziertem Prostatakrebs ist ein ansteigender PSA-Wert ein früher und wichtiger Hinweis auf das Fortschreiten der Erkrankung. 

 

Prostatakrebs im Frühstadium
 

Im Verlauf der Erkrankung unterscheiden Ärzte drei Stadien: Im frühen Stadium ist der Prostatakrebs lokal begrenzt und beschränkt sich auf die Prostata selbst. Im TNM-System stuft man diese Tumoren mit den Abkürzungen T1 oder T2 ein. Die so genannte Kapsel des Organs ist nicht durchbrochen. Bei den meisten früh entdeckten Prostatakrebsen sind die Aussichten auf Heilung durch eine Operation oder Strahlentherapie sehr gut.

 

Der lokal fortgeschrittene Prostatakrebs
 

Wenn der Prostatakrebs lokal fortschreitet bedeutet das, dass er sich über die Prostatakapsel hinaus, zum Beispiel auf das kleine Becken, den Darm oder die Harnblase ausbreitet. Im TNM-System stuft man diese Tumoren mit den Abkürzungen T3 oder T4 ein. Selten kommt es zu Symptomen – zu den Symptomen gehören in dieser Zeit Probleme beim Urinieren, wie zum Beispiel ein schwacher Harnstrahl oder Drangsymptome, Harninkontinenz, Blut im Urin oder Ejakulat sowie Erektionsstörungen.

 

Behandlungsoptionen

 

Beim lokalisierten Prostatakrebs kommen eine Operation oder eine Bestrahlung infrage. Im fortgeschrittenen Stadium besteht jedoch ein höheres Risiko, dass der Tumor bei der Operation nicht vollständig entfernt werden kann. Der Eingriff ist grundsätzlich umfangreicher, sodass Nebenwirkungen wahrscheinlich sind. Zusätzlich zu Bestrahlung und OP gibt es die Möglichkeit der sogenannten Androgenentzugstherapie.

 

Sie basiert darauf, dass die Krebszellen des Prostatakrebses männliche Geschlechtshormone, vor allem Testosteron, zum Wachstum benötigen. Das Ziel der Therapie ist es deshalb, sie dem Tumor zu entziehen, um ihn in seinem Wachstum zu hemmen. In bestimmten Fällen entscheiden sich Arzt und Patient auch für eine alleinige Androgenentzugstherapie. Eine Heilung des Prostatakrebses ist dadurch jedoch nicht möglich.

 

Das Lokalrezidiv
 

Das Lokalrezidiv bezeichnet das Wiederauftauchen des Krebses nach einer zunächst erfolgreichen Therapie am bisherigen Ort. Das heißt, es tritt wieder ein Tumor in der Prostata – oder nach einer Operation an der Stelle, an der die Prostata entfernt wurde – auf.

 

Anhaltspunkte dafür sind ein später und langsamer Anstieg des PSA-Wertes (frühestens 18 Monate nach der Operation und mit einer Verdopplungszeit von über 12 Monaten) und eine unvollständige Entfernung des Tumors bei der Operation. 

 

Wenn die Androgenentzugstherapie nicht mehr wirkt
 

Auch wenn ein Prostatakarzinom bereits per Strahlentherapie oder Operation behandelt wurde, ein hohes Rückfallrisiko besteht oder bereits ein Rezidiv ohne Metastasen festgestellt wurde, wird die Androgenentzugstherapie eingesetzt. Sie kann über Monate und Jahre helfen, verliert jedoch ab einem gewissen Zeitpunkt ihre Wirksamkeit. Das zeigt sich dadurch, dass der PSA-Spiegel trotz Androgenentzug wieder steigt. Um festzustellen, ob die Behandlung weiterhin wirksam ist, muss der Testosteronspiegel deshalb per Bluttest kontrolliert werden. Wenn der PSA-Wert trotz niedrigem Testosteronspiegel steigt gilt der Krebs als hormonresistent, das heißt die alleinige Androgenentzugstherapie ist nicht mehr wirksam genug. Diese so genannte Kastrationsresistenz stellen Urologen fest, wenn der PSA-Wert ansteigt, obwohl der Testosteronspiegel im Kastrationsbereich liegt (< 0,5 ng/dl). In diesem Stadium ist es sehr wahrscheinlich, dass sich früher oder später Metastasen bilden.

 

Der metastasierte Prostatakrebs
 

Wenn der Krebs nicht mehr auf die Prostata beschränkt ist und in andere Organe oder Lymphknoten gestreut ist, spricht man von Metastasierung. Über die Lymphbahn bzw. die Lymphabflusswege des Prostatagewebes können Krebszellen in die Lymphknoten gelangen und dort nahegelegene Tochtergeschwülste bilden. Von dort aus können die Zellen über die großen Venen auch in die Blutbahn gelangen und so genannte Fernmetastasen in Organen, wie z.B. der Leber oder auch den Knochen bilden.iv Beim Prostatakrebs befinden sich diese Absiedelungen in den meisten Fällen in den Knochen. So breitet sich der Prostatakrebs bei neun von zehn Männern im fortgeschrittenen Stadium auf die Knochen aus. Knochenmetastasen schädigen die Knochensubstanz und verringern damit die Festigkeit des Knochens und behindern die Blutbildung. Zu den Folgen können Knochenschmerzen, Knochenbrüche und Blutarmut bzw. Anämie gehören.

 

Knochenschmerzen durch Knochenmetastasen verursacht, können so die Lebensqualität der Patienten erheblich einschränken. Manche Männer leiden unter starken Schmerzen, die oft mit Angst- und Stresszuständen verbunden sind. Bei jedem zehnten Patienten führen Knochenmetastasen sogar zu Brüchen, die meistens in der Umgebung von Metastasen auftreten. Fünf bis 15 Prozent der Patienten erleiden durch einen Wirbelköperbruch eine Rückenmarks- oder Nervenkompression – das ist eine Druckschädigung des Rückenmarks bzw. eines Nervs, die sich unter anderem durch Taubheitsgefühle bemerkbar macht und im schlimmsten Fall zu einer Querschnittslähmung führen kann. 

Ein Anhaltspunkt für eine Metastasierung ist ein früher und schneller Anstieg des PSA-Wertes (innerhalb der ersten 12 Monate nach der Operation und mit einer Verdopplungszeit von unter drei bis sechs Monaten). Fernmetastasen sind eine sehr schwere Komplikation, die in den meisten Fällen nicht geheilt werden kann. Dennoch kann auch ein metastasierter Prostatakrebs teilweise über längere Zeit gut mit Kombinationstherapien aus einer Hormonentzugstherapie mit Chemotherapie, Antiandrogenen oder Radiopharmazeutika behandelt werden.iv

 
 

 

 

Literatur