Fachbegriffe und Abkürzungen für Prostatakrebspatienten
Begriffe rund um das Prostatakarzinom verständlich erklärt
Nach der Diagnose Prostatakrebs begegnen Betroffenen oft zahlreiche medizinische Fachbegriffe und Abkürzungen rund um die Prostatakrebstherapie bzw. -behandlungen. Wissen kann Betroffenen und ihren Angehörigen in dieser belastenden Zeit Orientierung und Sicherheit geben. Hier finden Sie verständliche Erklärungen zu wichtigen Begriffen, die Ihnen im Zusammenhang mit Prostatakrebs begegnen können.
Was bedeutet Befund?
Ein Befund beschreibt das Ergebnis einer Untersuchung. Er hilft Ärztinnen und Ärzten dabei festzustellen, ob Hinweise auf eine Erkrankung vorliegen oder nicht.
- Ein negativer Befund bedeutet, dass bei der Untersuchung keine Auffälligkeiten oder Hinweise auf eine Erkrankung gefunden wurden. Für Patientinnen und Patienten ist das in der Regel eine gute Nachricht.
- Von einem positiven Befund sprechen Ärztinnen und Ärzte, wenn eine Untersuchung Hinweise auf eine Erkrankung liefert. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn in einer Biopsie bösartige Veränderungen in den entnommenen Gewebeproben nachgewiesen werden.
- Das Kürzel o. B. steht für „ohne Befund“. Es bedeutet, dass mit der durchgeführten Untersuchungsmethode, beispielsweise im Ultraschall oder Röntgen, keine krankhaften Veränderungen festgestellt werden konnten.
Was bedeutet Diagnoseschlüssel?
Ein Diagnoseschlüssel ist ein standardisierter Code, mit dem Ärztinnen und Ärzte eine Erkrankung eindeutig beschreiben können. Bei Krebserkrankungen wird hierfür das internationale Klassifikationssystem ICD-10-GM (International Classification of Diseases) verwendet. Der aus Buchstaben und Zahlen bestehende Code sorgt dafür, dass Fachleute unterschiedlicher Fachrichtungen dieselbe Diagnose einheitlich dokumentieren und verstehen können.
Was ist die S3-Leitlinie Prostatakrebs?
Die S3-Leitlinie Prostatakarzinom ist eine evidenzbasierte Handlungsempfehlung für Ärztinnen und Ärzte und eine Entscheidungshilfe für Patienten. Sie umfasst den aktuellen wissenschaftlichen Stand zur Diagnose, Behandlung und Rehabilitation von Prostatakrebs und bewertet den Nutzen verschiedener Untersuchungen und Therapien. Darüber hinaus enthält die S3-Leitlinie wichtige Informationen zur Häufigkeit von Prostatakrebs, Risikofaktoren, psychosozialen Unterstützung und Nachsorge. Für Patienten dient die S3- Leitlinie als fundierte Basis für Arztgespräche und unterstützt dabei, informierte Entscheidungen im Rahmen der eigenen Erkrankung zu treffen.
Wichtig ist, dass die Leitlinie nicht rechtlich verbindlich ist. Das bedeutet, dass Ärztinnen und Ärzte in bestimmten Fällen von den Empfehlungen abweichen können, wenn sie dies für einen Patienten für sinnvoll halten.
Was ist das TNM-System?
Das TNM-System beschreibt, wie weit sich eine Krebserkrankung im Körper ausgebreitet hat. Es hilft Ärztinnen und Ärzten dabei, das Stadium eines Tumors genauer einzuordnen. Dabei steht T für Tumor, N für Nodus (Lymphknoten) und M für Metastasen. Für die drei Bereiche gelten folgende Gesichtspunkte zur Beschreibung. Die Zahlen hinter den Buchstaben zeigen, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist.
Tumor (T)
T: Größe und Ausbreitung des Tumors
T0: Kein Tumor nachweisbar.
T1 bis T4: Je höher die Zahl, desto weiter hat sich der Tumor ausgebreitet.
Lymphknoten (N)
N: Fehlen oder Vorhandensein von örtlichen bzw. benachbarten Lymphknotenmetastasen
N0: Keine Lymphknoten befallen.
N1 bis N3: Zunehmender Befall von Lymphknoten.
Metastasen (M)
M: Fehlen oder Vorhandensein von Fernmetastasen beispielsweise in den Knochen, der Lunge oder Leber
M0: Keine Fernmetastasen nachweisbar.
M1: Fernmetastasen vorhanden.
M1a: Metastasen in entfernten Lymphknoten
M1b: Metastasen in den Knochen
M1c: Metastasen in anderen Organen
Ärztinnen und Ärzte kombinieren diese Angaben, um die Erkrankung möglichst genau zu beschreiben. So bedeutet beispielsweise T4 N3 M1, dass der Tumor weit fortgeschritten ist und sich auf Lymphknoten sowie andere Körperregionen ausgebreitet hat.
Zum Beispiel: T4 N3 M1 würde anzeigen, dass der Patient einen Tumor hat, der benachbarte Strukturen wie zum Beispiel den Blasenhals infiltriert, sich auf die Lymphknoten ausgebreitet und entfernte Metastasen gebildet hat. T1 N0 M0 hingegen beschreibt einen nicht tast- und sichtbaren Tumor (nur durch Biopsie nachgewiesen) ohne benachbarten Lymphknotenbefall und ohne Fernmetastasen.
Was beschreibt die R-Klassifikation?
Die R-Klassifikation beschreibt nach einer Krebstherapie, ob noch Tumorgewebe im Körper nachweisbar ist.
Nach einer Operation oder Bestrahlung beurteilen Ärztinnen und Ärzte anhand dieser Einteilung, ob der Tumor vollständig entfernt werden konnte oder Tumorreste zurückgeblieben sind. Dabei unterscheidet man:
- R0: Kein Resttumor nachweisbar.
- R1: Resttumor nur unter dem Mikroskop sichtbar.
- R2: Resttumor mit bloßem Auge sichtbar.
RX: Es kann nicht beurteilt werden, ob noch Tumorgewebe vorhanden ist.
Was ist der Gleason-Score?
Der Gleason-Score beschreibt, wie stark sich Prostatakrebszellen von gesundem Prostatagewebe unterscheiden. Er hilft dabei einzuschätzen, wie aggressiv ein Tumor wächst. Für die Bewertung untersucht ein Pathologe die Gewebeprobe unter dem Mikroskop. Dabei werden verschiedene Wachstumsmuster des Tumors beurteilt. Aus den beiden am häufigsten vorkommenden Mustern wird der Gleason-Score berechnet.
Die Zahlen des Gleason-Scores drücken folgendes aus:
- Gleason-Score 2 - 4: gut differenzierter Tumor
- Gleason-Score 5 - 6: mittelgradig differenzierter Tumor
- Gleason-Score 7: mittelgradig bis schlecht differenzierter Tumor
- Gleason-Score 8 - 10: schlecht bis entdifferenzierter Tumor
Die Behandlung des Patienten richtet sich insgesamt nach dem PSA Wert, der Umfelddiagnostik (CT/MRT/Knochenszintigraphie), dem TNM und ggf. R Stadium sowie dem Gleason-Score.
Wann spricht man von einem biochemischen Rezidiv?
Von einem biochemischen Rezidiv sprechen Ärztinnen und Ärzte, wenn der PSA-Wert nach einer Behandlung erneut ansteigt und auf ein mögliches Wiederauftreten der Erkrankung hinweist. Betroffene haben zu diesem Zeitpunkt häufig noch keine Beschwerden. Auch in der Bildgebung lassen sich oft noch keine Metastasen oder ein Lokalrezidiv nachweisen. Das biochemische Rezidiv gilt häufig als früher Hinweis darauf, dass die Erkrankung zurückkehrt oder fortschreitet. Deshalb wird der PSA-Wert in der Regel erneut kontrolliert. Besonders wichtig ist dabei die sogenannte PSA-Verdopplungszeit, die Hinweise auf die Geschwindigkeit des Krankheitsverlaufs geben kann.
Was ist ein Lokalrezidiv?
Ein Lokalrezidiv bedeutet, dass der ursprüngliche Tumor im Bereich der Prostata erneut wächst. Wenn der PSA-Wert nach einer zunächst abgeschlossenen Behandlung wieder ansteigt, gilt es zu klären, ob es sich um einen örtlich begrenzten Rückfall oder bereits einen Erkrankungsfortschritt in Form von Metastasen handelt. Hinweise dafür, dass der Tumor nur an seinem ursprünglichen Ort weiterwächst, sind das Ergebnis einer vorangegangenen Operation und ein langsam steigender PSA-Wert. So kann es sein, dass der Tumor bei der ersten Behandlung nicht vollständig entfernt werden konnte und er zu einem späteren Zeitpunkt dort weiterwächst.
Literatur
Arztbrief, Diagnose, Befund: Inhalte und Bedeutung bei Krebs, Krebsinformationsdienst: https://www.krebsinformationsdienst.de/untersuchungen-bei-krebs/diagnose-und-befunde-bedeutung (zuletzt aufgerufen am 21.09.2026)
Klassifikation von Tumoren (TNM-System & Grading), Deutsche Krebsgesellschaft: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/klassifikation-von-tumoren-tnm-.html (zuletzt aufgerufen am 21.09.2026)
R-Klassifikation, DocCheck Flexikon: https://flexikon.doccheck.com/de/R-Klassifikation (zuletzt aufgerufen am 21.09.2026)
Epstein JI, Egevad L, Amin MB, Delahunt B, Srigley JR, Humph-rey PA, et al.: The 2014 International Society of Urological Patho-logy (ISUP) Consensus Conference on Gleason Grading of Pro-static Carcinoma: definition of grading patterns and proposal for a new grading system. Am J Surg Pathol 2016; 40(2): 244–52.
Prostatakrebs: lokal fortgeschritten oder mit Metastasen, Krebsinformationsdienst: https://www.krebsinformationsdienst.de/prostatakrebs/fortgeschritten-metastasiert (zuletzt aufgerufen am 21.09.2026)