wertvollER TV Folge 18
Erektionsstörungen bei Prostatakrebs
Erektionsstörungen sind kein Tabu
Urologe Dr. med. Sebastian Nestler klärt über Hilfsmittel und den Umgang mit Erektionsstörungen bei Prostatakrebs auf.
Erektionsstörungen durch die Prostatakrebstherapie
Was Betroffene für ihr Sexualleben tun können
Erektionsstörungen sind während oder nach einer Prostatakrebsbehandlung keine Seltenheit. Leider wird immer noch zu wenig über das vermeintliche Tabuthema gesprochen. Dabei kann ein aktiver und offener Umgang helfen. Schließlich liegen die Chancen auf eine erneute Erektion bei 80% - vorausgesetzt, man(n) bringt Einsatzbereitschaft und Geduld mit.
In der neusten wertvollER TV-Folge spricht Urologe Dr. Sebastian Nestler Klartext und erklärt, was Betroffene gegen Erektionsstörungen unternehmen können, welche Hilfsmittel es gibt und wieso ein erfülltes Sexualleben auch ohne Erektion möglich ist.
Wodurch kommt es zu Erektionsstörungen bei Prostatakrebs?
In Deutschland ist etwa jeder fünfte Mann von Erektionsstörungen betroffen – die Dunkelziffer ist hoch. Die Ursachen der sogenannten „erektilen Dysfunktion“ können vielfältig sein. Bei Männern mit Prostatakrebs tritt die Erektionsstörung häufig im Zusammenhang mit der Prostatakrebsbehandlung auf. Durch geschädigte Nerven, zum Beispiel verursacht durch eine Prostataoperation, oder auch bei mangelnder Durchblutung, kann eine Erektion beeinträchtigt werden. Auch bei Hormontherapien kann die Erektionsfähigkeit verloren gehen, da Testosteron, das männliche Geschlechtshormon, welches eine zentrale Rolle bei der Erektion spielt, unterdrückt wird.
„Das Problem ist, dass wir in einer mehr oder weniger patriarchalen Gesellschaft die Erektionsfähigkeit des Mannes und seine Sexualität zusammendenken. Das heißt, für einen Mann ist Sex ohne eine Erektion nicht denkbar. Das ist Unsinn.“
Jens Helmig, Paar- und Sexualtherapeut aus Köln
Deshalb ist ein offener Umgang wichtig – und macht es Betroffenen leichter
„Bin ich noch ein richtiger Mann, wenn ich keine Erektion bekommen kann?“. Diese Sorge beschäftigt viele Männer mit Erektionsstörungen. Auch Angehörige wissen häufig nicht so recht, wie sie das Thema angehen oder ansprechen können. So entsteht in vielen Fällen eine Sprachlosigkeit, was den Leidensdruck weiter verstärkt.
Ein offener und gesunder Umgang mit erektiler Dysfunktion kann gelingen, indem Betroffene mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner in den offenen Dialog gehen und gemeinsam besprechen: Was ist mir wichtig? Was erregt mich? Wie können wir unsere Sexualität neu erschließen, auch ohne Erektion? Zudem kann es helfen, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, z. B. im Rahmen einer Selbsthilfegruppe, um Erfahrungen und Tipps auszutauschen. Auch das Erlernen bzw. Hinzunehmen von bestimmten Techniken und Praktiken – sei es Rollenspielen oder Sexspielzeugen – kann neue Wege der Sexualität eröffnen.
Welche Hilfsmittel gibt es bei Erektionsstörungen?
- Medikamente (PDE5-Hemmer): Eine erektile Dysfunktion lässt sich mit PDE5-Hemmern in Tablettenform behandeln. Das Medikament fördert die Durchblutung im Penis und unterstützt die Erektion. PDE5-Hemmer wirken jedoch nur, wenn sexuelle Erregung vorhanden ist und die Nervenbahnen intakt sind – etwa nach einer nervenschonenden Operation.
- Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT): Hierbei spritzt sich der Mann ein Medikament direkt in den Schwellkörper des Penis. Die Behandlung ist weniger schmerzhaft als oft befürchtet. Wichtig ist, dass die Erektion nicht länger als eine Stunde anhält – eine Dauererektion ist ein medizinischer Notfall. Diese Methode funktioniert auch bei geschädigten Nervenbahnen.
- Medikamentöses Urethrales System zur Erektion (MUSE): Der Mann führt ein kleines Wirkstoff-Stäbchen mithilfe eines Applikators direkt in die Harnröhre ein. Durch sanftes Massieren löst sich das Medikament auf und gelangt in die Schwellkörper des Penis, wo es die Durchblutung fördert. Innerhalb weniger Minuten führt diese Methode zur Entstehung einer Erektion – auch bei vorgeschädigten Nervenbahnen.
- Mechanische Hilfsmittel: Für alle Männer, die keine Medikamente einnehmen dürfen oder wollen, eignet sich die Vakuumpumpe. Durch die Erzeugung von Unterdruck wird der Blutfluss in den Penis angeregt. Ein gummierter Schnürring an der Penisbasis hält das Blut zurück und sorgt so für eine anhaltende Erektion. Wichtig: Der Ring sollte spätestens nach 30 Minuten entfernt werden, um Durchblutungsstörungen zu vermeiden.
Erhalten Betroffene eine dauerhafte Hormontherapie, ist die Erektionsfähigkeit häufig trotz Hilfsmitteln eingeschränkt. Die gute Nachricht: Auch ohne Erektion ist ein erfülltes Sexualleben möglich. Paare können gemeinsam andere Wege der Sexualität erkunden – unterstützt z. B. durch eine Sexualtherapie oder das urologische Behandlungsteam.
Nützliches Downloadmaterial
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