Welche Bedeutung hat der PSA-Wert bei Prostatakrebs?
Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hindeuten
Das Prostataspezifische Antigen (PSA) ist ein Enzym, das in der Prostata gebildet wird. Seine Aufgabe ist es, den Samen des Mannes, das Ejakulat, zu verflüssigen. Bei gesunden, jungen Männern befinden sich nur sehr geringe Mengen dieses Proteins im Blut. Mit zunehmendem Alter des Mannes steigt der PSA-Wert im Rahmen des normalen Prostatawachstums, der gutartigen Prostatavergrößerung, an.
Da Prostatakrebszellen die 10-30fache Menge an PSA freisetzen als gutartige Prostatazellen, tritt das Enzym bei Krebspatienten in höherer Konzentration im Blut auf und ist somit ein Hinweis auf eine mögliche bösartige Erkrankung. Besonders bei den Kontrollen eines bereits entdeckten Prostatakarzinoms kann die Änderung des PSA-Wertes nützliche Informationen über den Krankheitsverlauf liefern und eine frühzeitige Änderung der Behandlung ermöglichen.
Was passiert beim PSA-Test?
Um den PSA-Wert zu bestimmen, wird dem Patienten in der Arztpraxis Blut abgenommen. Anschließend werden die Blutproben an ein Labor geschickt. Die Untersuchung erfolgt im Anschluss und das Ergebnis liegt meist ein paar Tage später vor. Die Höhe des PSA-Wertes geben Mediziner in Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) an.
Warum misst man den PSA-Wert?
Vor allem bei den Kontrollen eines bereits diagnostizierten Prostatakarzinoms spielen der PSA-Wert und seine Entwicklung eine bedeutende Rolle. Veränderungen des PSA-Wertes können wertvolle Hinweise auf den Krankheitsverlauf liefern und ermöglichen eine frühzeitige Anpassung der Behandlung. Im Rahmen der jährlichen Früherkennung ist der PSA-Test eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), dessen Durchführung allerdings stark empfohlen wird. Besteht kein Verdacht, zahlt der Patient die Kosten in Höhe von etwa 30 Euro.
Der PSA-Test
Die Abkürzung „PSA“ steht für „Prostataspezifisches Antigen“, ein Protein, das in der Prostata gebildet und über die Samenflüssigkeit abgegeben wird. Bei Männern mit Prostatakrebs ist der PSA-Spiegel im Blut erhöht. Der PSA-Test misst diese Konzentration des Prostataspezifischen Antigens im Blut. Je höher der PSA-Wert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Veränderungen der Prostata, wie bspw. Prostatakrebs vorliegen. Wichtig zur Bestimmung ist zudem die PSA-Verdopplungszeit.
Aufgepasst: Ein erhöhter PSA-Wert kann auch durch andere Faktoren wie eine gutartige Prostatavergrößerung verursacht werden. Deshalb kann die Bestimmung des PSA-Wertes zu falsch-positiven Ergebnissen führen. Das bedeutet, dass ein erhöhter Wert als möglicher Hinweis auf Prostatakrebs gedeutet wird, im Nachhinein jedoch keine Krebserkrankung vorliegt. Deshalb sind eine wiederholte Messung und der Vergleich von Vorwerten sowie weiterführenden Untersuchungen wie MRT oder Biopsien unerlässlich.
Der PSA-Wert: Messbereiche
Der PSA-Test misst das im Blut zirkulierende PSA. Die Höhe des PSA Wertes setzt sich aus mehreren unterschiedlichen Faktoren zusammen. Sowohl dem Alter des Mannes, Größe der Prostata sowie z.B. auch eine nicht bemerkte Entzündung der Prostata (chronische Prostatitis) können für Werte über dem allgemein gültigen Referenzwert von 4 ng/ml im Blut verantwortlich sein. Grundsätzlich gilt: Liegt Prostatakrebs vor, sind die PSA-Werte oft deutlich höher und nehmen mit dem Tumorwachstum weiter zu. Der Begriff Nadir bezeichnet den tiefsten PSA-Wert im Rahmen einer Krebsbehandlung.
PSA-Wert Tabelle - erhöhte Werte richtig interpretieren
Ist der PSA-Wert erhöht, heißt das nicht automatisch, dass sich Prostatakrebs entwickelt hat. Ursachen für einen erhöhten PSA-Wert können beispielsweise eine gutartige Vergrößerung der Prostata sein oder auch eine Harnwegs- oder Prostataentzündung. Außerdem ist es ganz normal, dass der PSA-Wert mit dem Alter ansteigt. Werfen Sie einen Blick auf die PSA-Wert-Tabelle.
Demgegenüber ist aber auch ein PSA-Wert unter dem Referenzwert von 4 ng/ml kein sicherer Beleg dafür, dass kein Prostatakrebs vorliegt. Eine alleinige Bestimmung des PSA-Wertes eignet sich nicht, um Prostatakrebs sicher zu diagnostizieren oder auszuschließen. Eine Erhöhung des PSA-Wertes kann auch rein physikalische Ursachen haben: Wenn Druck auf die Prostata ausgeübt wird, zum Beispiel bei einer Prostatamassage, beim intensiven Fahrradfahren oder Geschlechtsverkehr, kann das Protein ins Blut übergehen und so für kurze Zeit die Werte erhöhen.
Alter | Normalwert |
|---|---|
50 - 59 Jahre | Unter 3,0 ng/ml |
60 - 69 Jahre | Unter 4,0 ng/ml |
Über 70 Jahre | Unter 5,0 ng/ml |
PSA-Verdopplungszeit und Krankheitsverlauf
Die PSA-Verdoppelungszeit nach oder unter einer Therapie gibt an, in welcher Zeit sich der PSA-Spiegel rechnerisch verdoppelt hat, ohne dass eine Verdopplung wirklich stattgefunden haben muss. Sie ist ein guter Parameter, um einen PSA-Anstieg einzuschätzen und eine Vorhersage zum Krankheitsverlauf machen zu können. Eine kurze Verdopplungszeit von unter 6-12 Monaten spricht für ein rasches Fortschreiten der Erkrankung oder ein aggressiveres Tumorwachstum. Zum Beispiel kann bei Männern mit fortschreitendem Prostatakrebs, bei denen die klassische Hormontherapie nicht mehr wirkt (kastrationsresistenter Prostatakrebs) und bei denen keine Metastasen nachweisbar sind, eine schnelle PSA-Verdopplungszeit mit einem Voranschreiten der Erkrankung und einem baldigen Auftreten von Metastasen verbunden sein.
Die Berechnung der PSA-Verdoppelungszeit ist komplex. Aus mindestens zwei Messungen in Folge kann der Arzt sie mit Hilfe eines Kalkulators berechnen. Je mehr Werte mit einbezogen werden, desto mehr Aussagekraft hat das Ergebnis.
Der fortschreitende Prostatakrebs
Patienten mit fortschreitendem Prostatakrebs führen meist ein aktives Leben, da sie gelernt haben, gut mit der Erkrankung umzugehen. Dennoch besteht das Risiko, dass der Krebs weiter voranschreitet, Metastasen und damit Symptome entstehen. Ein erheblicher Verlust an Lebensqualität durch Beschwerden, Schmerzen und Knochenbrüche kann die Folge sein. Etwa einer von drei Männern mit nicht-metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakrebs (nmCRPC) entwickelt innerhalb von zwei Jahren Metastasen. Deshalb ist es Ziel der Ärzte, das Fortschreiten der Erkrankung und die Entwicklung von Knochenmetastasen möglichst lange hinauszuzögern. Diese Zeitspanne wird in der Fachsprache als ‚metastasenfreies Überleben‘ bezeichnet.
In dieser Phase, in der sich die Patienten in der Regel noch gut fühlen und keine weiteren Beschwerden haben, ist es besonders wichtig, dass zur Behandlung zugelassene Medikamente nicht nur gut wirken, sondern auch gut verträglich sind. Denn: Im besten Fall kann eine Therapie entscheidend dazu beitragen, das Auftreten von Metastasen hinauszuzögern und gleichzeitig die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten.
Weitere Informationen zum Thema Prostatakrebs finden Patienten auf der Website der Deutschen Krebsgesellschaft.
Literatur
PSA-Test: Bedeutung bei der Früherkennung von Prostatakrebs, Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.: https://www.urologenportal.de/fileadmin/MDB/PDF/Patienteninformation/PSA-Broschuere.pdf (zuletzt aufgerufen am 31.07.2024)
Prostatakrebs: Früherkennung und PSA-Test, Krebsinformationsdienst: https://www.krebsinformationsdienst.de/prostatakrebs/frueherkennung#inhalt6 (zuletzt aufgerufen am 31.07.2024)
Bestrahlung bei Prostatakrebs, Krebsinformationsdienst: https://www.krebsinformationsdienst.de/prostatakrebs/strahlentherapie#inhalt11 (zuletzt aufgerufen am 31.07.2024)
PSA-Wert, netDoktor: https://www.netdoktor.de/krankheiten/prostatakrebs/psa-wert/ (zuletzt aufgerufen am 31.07.2024)
PSA: Prostatakarzinom Tumormarker, Urologielehrbuch.de: https://www.urologielehrbuch.de/tumormarker-psa.html (zuletzt aufgerufen am 31.07.2024)
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