Gut vorbereitet ins Arztgespräch

Betroffener Rüdiger A. über seinen Weg zur Therapieentscheidung bei Prostatakrebs

18.06.2026 I Lesedauer: ca. 5 Minuten

Porträt von Rüdiger A. mit Infos zu seiner Prostatakrebs-Erkrankung und Behandlung.

„Wir haben leider Prostatakrebs bei Ihnen festgestellt.“ Dieser Satz ist für die meisten Betroffenen ein Schock. Sie fragen sich: Warum ich? Was bedeutet das jetzt für meine Lebensplanung? Das Behandlungsteam stellt in dieser Zeit eine wichtige Stütze dar – besonders, wenn es darum geht, eine Therapieentscheidung zu fällen. 


Das weiß auch Rüdiger A., der 2018 nach einer Biopsie die Diagnose Prostatakrebs erhielt. An diesen Tag erinnert er sich noch genau. „Es war eine Woche nach meinem Geburtstag. Mein Urologe rief mich an und sagte mir, dass sechs von vierzehn Stanzen betroffen seien. Da ging für mich erstmal die Welt unter.“ Mittlerweile lebt er selbstbestimmt mit der Erkrankung, ist Mitglied einer Selbsthilfegruppe und möchte andere Betroffene dazu ermutigen, sich aktiv in den Therapieprozess einzubringen.

 

 


 

Der erste Schritt: Informationen zur Erkrankung und zu Therapieoptionen sammeln

Viele Betroffene fühlen sich nach der Diagnose orientierungslos – kein Wunder, denn es braucht Zeit, sich im Dschungel der Therapieoptionen zurechtzufinden und den Alltag neu zu sortieren. Wichtig ist, sich aktiv mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und zu informieren: Was ist das überhaupt für ein Krebs? In welchem Stadium befinde ich mich? Und welche Therapiemöglichkeiten stehen mir zur Verfügung?

 

Ein vertrauensvolles Verhältnis zur Ärztin oder zum Arzt nimmt hierbei einen wichtigen Stellenwert ein. Aufgabe des Behandlungsteams ist es, Sie bei allen Themen rund um die Erkrankung aufzuklären, zu unterstützen und gemeinsam mit Ihnen eine Therapieform zu wählen, die Ihren persönlichen Präferenzen und Wünschen entspricht. „Wichtig ist eine solide, vernünftige Therapieentscheidung, mit der man sich selbst wohlfühlt und die man nicht eine Woche später infrage stellt“, stellt Rüdiger A. klar und ergänzt: „Durch die Beschäftigung damit geht es einem mental auch wieder ein bisschen besser, weil man weiß, da passiert gerade etwas.“

 


 

Ein Ärzte-Team bilden

Im Rahmen der Prostatakrebstherapie sind Sie als Betroffener oftmals mit verschiedenen Ärztinnen und Ärzten in Kontakt – sei es mit Ihrem Hausarzt, Urologen, Onkologen oder der behandelnden Klinik. Das kann herausfordernd sein, aber auch eine Chance. Jede Fachrichtung bringt eine andere Perspektive ein, die Sie auf dem Weg zur Therapieentscheidung weiterbringen kann. Für Rüdiger A. steht fest: „Es ist enorm wichtig, dass man sich ein Team bildet. Ich habe es sogar hinbekommen, dass meine Ärzte miteinander telefonieren und sich zu meiner Behandlung abstimmen, das ist ein Privileg.“ Diese Vernetzung zwischen seinen Ärzten empfand er als besonders wertvoll und hilfreich, um schlussendlich eine Therapieentscheidung zu treffen – auch, wenn zunächst etwas Hartnäckigkeit und Organisation notwendig war. Sein Rat an andere Betroffene: „Werden Sie der Manager Ihrer Erkrankung.“

Arzt begrüßt älteren Patienten per Handschlag im modernen Behandlungszimmer – vertrauensvolle medizinische Beratung und Gesundheitsvorsorge.

Diagnose Prostatakrebs - und jetzt? Was Rüdiger A. von Beginn an geholfen hat, war seine Einstellung gegenüber der Erkrankung:
„Das war im Beruf und im Sport auch schon immer so. Ich kremple die Ärmel hoch und gehe die Dinge an.“
 

Fachliche Zweitmeinung einholen

Die Grundlage von Therapieempfehlungen bildet die sogenannte S3-Leitlinie Prostatakarzinom – eine evidenzbasierte Handlungsempfehlung für Ärztinnen und Ärzte und zugleich eine Entscheidungshilfe für Patienten. Diese umfasst u. a. den aktuellen wissenschaftlichen Stand zur Diagnose, Behandlung und Rehabilitation von Prostatakrebs und bewertet den Nutzen verschiedener Untersuchungen und Therapien. Trotzdem kann es sein, dass Ärzte zu verschiedenen Therapieempfehlungen kommen – auf Basis individueller Faktoren der Patienten, zum Beispiel Vorerkrankungen oder persönliche Präferenzen. Diese Erfahrung machte auch Rüdiger A. „Ich hatte am Anfang drei Arztmeinungen und drei verschiedene Vorschläge. Deswegen ist es wichtig, möglichst viele Informationen zu haben.“ Eine ärztliche Zweitmeinung ist sinnvoll, um sich mit allen Optionen und Einschätzungen vertraut zu machen – und so auf dieser Basis eine für sich passende Therapieentscheidung zu treffen.

 

Schauen Sie jetzt auch die wertvollER TV-Folge mit Rüdiger A. zum Thema Therapieentscheidung an.
 

Zum Interview mit Rüdiger A.

 


 

Immer stark sein?! Deshalb sollten Betroffene Hilfe annehmen

Eine Prostatakrebserkrankung hat nicht nur Auswirkungen auf das körperliche Wohlbefinden, sondern hinterlässt auch Spuren auf der Seele. „Es gibt Phasen, in denen man extrem traurig und deprimiert ist“, erinnert sich Rüdiger A. Viele Betroffene leiden unter Ängsten und Zukunftssorgen, aber auch Schamgefühle spielen eine Rolle, wenn z. B. Inkontinenz oder Erektionsstörungen als Folge der Behandlung auftreten. Deshalb ist der Rückhalt durch Familie und Freunde sowie ein soziales Netzwerk so wichtig. Unterstützung können Betroffene auf verschiedene Art und Weise erhalten:
 

    Manchmal sind es schon Sätze wie „Du schaffst das!“, die dafür sorgen, dass sich Betroffene weniger allein fühlen und neue Zuversicht schöpfen. Aber auch ganz praktische Dinge können eine Hilfe sein, wie z. B. das Übernehmen des Einkaufs oder die Begleitung bei Arztbesuchen. Letzteres war auch für Rüdiger A. viel wert. „Beim Diagnosegespräch habe ich die Hälfte überhört. Das ist ein wichtiger Rat, den ich geben möchte: Nehmen Sie immer jemanden mit. Der Patient hört oft nur die Hälfte.“

    Erfahrungen austauschen, andere Betroffene kennenlernen und Teil einer Gemeinschaft seinSelbsthilfegruppen bieten eine besondere Form der Unterstützung und können dabei helfen, besser mit den täglichen Herausforderungen der Erkrankung klarzukommen. Und nicht nur das. „Es gibt auch Fachvorträge, das wird oft vergessen. Zum Beispiel zu neuen Therapieformen oder Studiendaten. Ich finde das hochinteressant“, erzählt Rüdiger A., der bereits seit zwei Jahren an den Treffen teilnimmt. Selbsthilfegruppen gibt es in vielen Städten und Gemeinden – meist werden auch unverbindliche „Schnupperstunden“ angeboten.

    Auch der Alltag bietet zahlreiche Möglichkeiten, das innere Wohlbefinden zu steigern. So wirkt Sport beispielsweise stresssenkend und trägt zu einer positiven Stimmung bei. Diese Erfahrung macht auch Rüdiger A. „Wenn ich vom Joggen zurückkomme oder aus meinem Fitnesskeller, dann ist das nicht nur körperlich, sondern auch psychisch sehr schön und aktivierend für mich.“ Auch Meditation, Achtsamkeits- und Entspannungsübungen sind ein guter Weg, um sich jeden Tag etwas Gutes zu tun und die eigene Resilienz im Umgang mit der Erkrankung zu stärken.

    Manchmal fühlen sich die Ängste und Sorgen durch die Erkrankung so belastend an, dass es sinnvoll sein kann, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Beispielsweise, wenn Tipps wie Achtsamkeit im Alltag, Austausch mit Freunden und Familie oder Sport nicht mehr helfen oder sich die negativen Gefühle weiter verstärken. Das ist kein Grund, sich zu schämen – vielen Betroffenen geht es so und die eigenen Grenzen zu erkennen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern zeugt von Stärke. In der Psychoonkologie  arbeiten Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen zusammen, um Patienten individuelle Lösungsmöglichkeiten in ihrer persönlichen Lebenssituation zu bieten.

    „Gerne verpflichte ich mich dazu, anderen zu helfen. Wenn mein Wissen anderen helfen sollte, dann mache ich das sehr, sehr gerne.“
    Rüdiger A., Prostatakrebs-Betroffener
     

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    Jeder Mensch geht anders mit Herausforderungen um und nutzt unterschiedliche Bewältigungsstrategien. Wie ist es bei Ihnen? Sind Sie eher der „Duellstratege“, der die Therapieentscheidung ganz rational und geplant angeht? Oder finden Sie sich eher im „Verbündeten“ wieder, der sich mit einem großen Netzwerk umgibt und daraus Kraft schöpft? 
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