Onkologie verstehen
Was Sie als Prostatakrebspatient wissen sollten
05.02.2026 I Lesedauer: ca. 7 Minuten
Bei Verdacht auf Prostatakrebs werden betroffene Männer häufig zu einem auf die Krebsbehandlung spezialisierten Urologen (Uro-Onkologen) oder in die Onkologie überwiesen. Dort koordiniert ein spezialisiertes Behandlungsteam die weiteren diagnostischen Schritte und begleitet Sie fachkundig durch den gesamten Verlauf Ihrer Erkrankung. Doch was genau ist unter Uro-Onkologie zu verstehen – und welche Aufgaben übernimmt sie bei Prostatakrebs?
Die Onkologie ist eine interdisziplinäre medizinische Fachrichtung, die sich mit Krebserkrankungen befasst: von der Vorbeugung und Früherkennung über die genaue Diagnostik und Behandlung bis hin zur Nachsorge und Langzeitbegleitung. Mit anderen Worten: Die Onkologie steht Ihnen vom ersten Verdacht auf eine Krebserkrankung bis weit über die eigentliche Therapie hinaus zur Seite – mit dem Ziel, Ihre Erkrankung bestmöglich zu behandeln und Sie als ganzen Menschen im Blick zu behalten.
Was gehört zur Onkologie?
Die Onkologie als Fachrichtung für die Behandlung von Krebserkrankungen umfasst vielfältige Arten für die Diagnosestellung und die Therapie. Eine Zusammenarbeit mit vielen anderen Fachdisziplinen ist hier wichtig. So entsteht ein Behandlungsweg, der sich an Ihrer Erkrankung und Ihrer Lebenssituation orientiert.
Prostatakrebs verursacht in frühen Stadien meist keine Beschwerden. Dann hat sich der Tumor meist noch nicht ausgebreitet und ist gut mit einer Operation oder Strahlentherapie behandelbar oder sogar heilbar. Zur Uro-Onkologie gehören deshalb auch:
- Aufklärung über Risikofaktoren wie z. B. Alter und familiäre Belastung
- Check ups und Krebsfrüherkennung wie z. B. Bestimmung des PSA-Werts
- Empfehlungen zu Lebensstilfaktoren wie z. B. Bewegung, Ernährung, Rauchstopp
Ziel der uro-onkologischen Diagnostik ist es, Ihre Erkrankung möglichst genau zu verstehen. Daraus ergibt sich die Bestimmung, wie weit der Krebs fortgeschritten ist und wie aggressiv er sich verhält. Das ist die Basis jeder Therapieentscheidung. Ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte veranlassen deshalb bestimmte Untersuchungen:
- Labordiagnostik (z. B. PSA-Wert-Bestimmung, Bestimmung von Tumormarkern, Liquid Biopsy)
- Bildgebende Verfahren (z. B. Ultraschall, MRT und CT)
- Gewebeentnahme (Biopsie) und pathologische Untersuchung
Abhängig von der Diagnose kommen beim Prostatakrebs unterschiedliche Behandlungen zum Einsatz. In der Onkologie gibt es selten nur einen „richtigen“ Weg. Oft stehen mehrere sinnvolle Optionen mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen zur Verfügung, die häufig auch kombiniert werden:
- Operative Entfernung der Prostata (Prostatektomie)
- Bestrahlung (extern oder als Brachytherapie)
- Hormontherapien (Androgendeprivation, Medikamente aus der Generation der Neuen Hormontherapien)
- Chemotherapie oder andere systemische Therapien bei fortgeschrittener Erkrankung
- Zielgerichtete Therapien wie z. B. die Radioligandentherapie oder die PARP-Hemmer, die bei metastasiertem Prostatakrebs mit bestimmten genetischen Veränderungen zum Einsatz kommen
- Aktive Überwachung oder „watchful waiting“ bei langsam wachsenden Tumoren
Nach abgeschlossener Ersttherapie begleitet Sie die Uro-Onkologie weiter. Dazu gehören:
- Regelmäßige Kontrollen (z. B. PSA-Wert-Bestimmung, Bildgebung)
- Erkennen und Behandeln von Spätfolgen und Nebenwirkungen der Therapie (z. B. Inkontinenz, Erektionsstörungen, Fatigue)
- Unterstützung bei der Rückkehr in den Alltag und in den Beruf.
Lebensqualität als Therapieziel
In der modernen Onkologie ist Ihre Lebensqualität genauso wichtig wie die Kontrolle des Tumors. Lebensqualität beschreibt den Zustand, wie es Ihnen körperlich, seelisch und in Ihrem sozialen Umfeld geht: Können Sie Ihren Alltag bewältigen? Fühlen Sie sich seelisch stabil? Bleiben Partnerschaft, Sexualität und soziale Kontakte für Sie lebendig? Können Sie weiterhin Ihren Hobbys nachgehen?
Gerade beim Prostatakrebs spielen diese Fragen für viele Betroffene eine mindestens ebenso große Rolle wie die Prognose. Was für Sie persönlich gut und richtig ist, können nur Sie selbst entscheiden. Deshalb empfehlen alle onkologischen Leitlinien eine partizipative Entscheidungsfindung: Die Behandlung soll so geplant werden, dass Nutzen und möglichen Nebenwirkungen sorgfältig abgewogen werden – gemeinsam mit Ihnen.
Shared Decision Making: Gemeinsam entscheiden
Shared Decision Making bedeutet, dass medizinische Therapie-Entscheidungen gemeinsam getroffen werden: Das Behandlungsteam bringt medizinisches Wissen und Erfahrung ein, Sie kennen Ihre persönlichen Werte, Wünsche und Ihren Alltag am besten. Ziel des Gesprächs ist es, gemeinsam eine Behandlung zu finden, die medizinisch sinnvoll ist, von Ihnen mitgetragen wird und sich zugleich stimmig in Ihr Leben einfügt. Damit Sie aktiv mitentscheiden können, hilft eine gute Vorbereitung – zum Beispiel mit folgenden drei Leitfragen:
- Welche Behandlungsmöglichkeiten habe ich – einschließlich der aktiven Überwachung?
- Was sind die Vorteile und Nachteile jeder dieser Möglichkeiten?
- Wie wahrscheinlich ist es, dass diese Vorteile und Nachteile gerade bei mir auftreten?
Zu einer guten Entscheidung gehört jedoch nicht nur die Wahl der Therapie, sondern auch die Frage, welche Unterstützung Sie auf diesem Weg benötigen und annehmen möchten.
Unterstützende Angebote für Patienten und Angehörige
Eine Prostatakrebserkrankung betrifft nicht nur den Körper, sondern oft auch die seelische Verfassung, den Alltag und das soziale Umfeld. Sie müssen diese Belastungen jedoch nicht allein bewältigen: Neben der eigentlichen Tumorbehandlung gibt es in der Uro-Onkologie zahlreiche unterstützende Angebote, die Beschwerden lindern, Orientierung geben und Ihre Lebensqualität stärken können. Sprechen Sie Ihr Behandlungsteam direkt an.
Nebenwirkungsmanagement: Hormontherapien können u. a. Hitzewallungen, Gewichtszunahme, Muskelabbau oder Stimmungsschwankungen auslösen. Chemotherapien sind bei manchen Betroffenen mit Übelkeit, erhöhter Infektanfälligkeit, Haarausfall oder ausgeprägter Erschöpfung verbunden. Wichtig ist: Diese Nebenwirkungen treten nicht bei allen Patienten auf. Ihr Behandlungsteam kann zudem mit verschiedenen Maßnahmen helfen, diese Beschwerden zu lindern. Grundsätzlich gilt: Hormontherapien – ggf. in Kombination mit Chemotherapie – sind die Grundpfeiler der Prostatakrebstherapie und stellen wirksame Behandlungsoptionen dar.
Beckenbodentraining und Physiotherapie: Gezielte Übungen für Beckenboden und Muskulatur können helfen, Inkontinenz zu verringern, die Kontrolle über Blase oder Darm zu verbessern und Schritt für Schritt mehr Sicherheit im Alltag zu gewinnen. Gleichzeitig unterstützen physiotherapeutische Maßnahmen dabei, Kraft, Beweglichkeit und körperliche Belastbarkeit nach einer Operation oder unter laufender Therapie wieder aufzubauen.
Sexualmedizinische Beratung: Fachkundige Beratung kann Sie bei Erektionsstörungen und Veränderungen der Sexualität begleiten. Dabei geht es sowohl um medizinische Behandlungsmöglichkeiten (z. B. Medikamente, Hilfsmittel) als auch um Fragen zu Nähe, Intimität und Partnerschaft. Ziel ist, gemeinsam Wege zu finden, wie Sexualität trotz oder mit veränderter körperlicher Situation erfüllend bleiben kann.
Bewegungs- und Ernährungsprogramme: Regelmäßige, angepasste Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können sich positiv auf eine Prostatakrebserkrankung auswirken.
- Psychoonkologie: Gespräche mit speziell geschulten Fachpersonen helfen, Ängste, Niedergeschlagenheit und innere Anspannung zu verarbeiten.
Literatur
- https://www.vfa.de/de/forschung-entwicklung/fortschritte-in-der-onkologie#:~:text=Juli%202024-,Fortschritte%20in%20der%20Onkologie,die%20zweithäufigste%20Todesursache%20in%20Deutschland.&text=Bar%20chart%20with%2010%20bars.&text=The%20chart%20has%201%20X,ranges%20from%2012%20to%20364.&text=End%20of%20interactive%20chart.
- https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Patientenleitlinien/Prostatakrebs/Patientenleitlinie_Prostatakrebs_Frueherkennung-1870075.pdf
- https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Patientenleitlinien/Patientenleitlinie_Prostatakrebs_2-184-0011web.pdf
- https://bzkf.de/krebsberatung/entscheidungshilfen/
- https://www.prostatakrebs-bps.de/kisp/ADT-Nebenwirkungen.pdf
- https://www.krebsinformationsdienst.de/prostatakrebs/chemotherapie-und-zielgerichtete-therapie