Neues Jahr, neues Glück 

Positiv und resilient in die Zukunft blicken 

08.01.2026 I Lesedauer: ca. 5 Minuten

wertvollER: Prostatakrebspatient fährt gemeinsam mit seinem Enkel Schlitten

Wenn eine Erkrankung wie Prostatakrebs den Alltag bestimmt, rücken viele andere Themen in den Hintergrund. Da kann das vergangene Jahr schnell wie eine endlose Aneinanderreihung von Arztterminen, Untersuchungen, Diagnosen, Operationen oder Therapien wirken. Und doch gab es zwischendrin meist auch andere Momente: Augenblicke, in denen Sie trotz allem lachen konnten. Momente, in denen Nähe, Hoffnung oder Erleichterung da waren. Situationen, in denen Sie gemerkt haben: So schnell bin ich nicht unterzukriegen. In solchen Momenten zeigt sich Ihre innere Stärke – eine Art „mentales Immunsystem“, das Sie durch schwere Zeiten trägt. Diese Fähigkeit, belastende Lebensphasen zu bewältigen und dabei innerlich stabil zu bleiben, nennt man Resilienz.

 

In diesem Blogartikel geht es darum, diese innere Stärke – Ihre Resilienz – bewusster wahrzunehmen, sie im Alltag zu stärken und daraus Zuversicht für das neue Jahr zu schöpfen.  
 

Reflexion: Der bewusste Rückblick auf das vergangene Jahr

Der Jahreswechsel kann ein Moment sein, um Bilanz zu ziehen: Ein bewusster Rückblick auf das vergangene Jahr kann helfen, das Erlebte zu sortieren, Schönes zu würdigen und Kraftquellen zu identifizieren. Nehmen Sie sich deshalb ein paar Minuten Zeit – vielleicht mit einer Tasse Tee oder Kaffee - und gehen Sie folgende Fragen in Ruhe durch.

 

    Erinnern Sie sich an Augenblicke, in denen Sie sich trotz Erkrankung wohl, geborgen oder zufrieden gefühlt haben: ein ungezwungenes Familienfest, ein Spaziergang in der Natur oder ein Tag, an dem Untersuchungsergebnisse besser waren als befürchtet.

    Denken Sie an Situationen, in denen es besonders schwer war – und daran, wie Sie diese bewältigt haben. Vielleicht sind Sie trotz großer Angst zu einer Untersuchung gegangen, haben Hilfe von Angehörigen angenommen oder Ihrem Ärzteteam klar gesagt, was Sie möchten und was nicht. Das alles sind Zeichen von Stärke.

    Fragen Sie sich, welche Menschen, Aktivitäten oder kleinen Gewohnheiten Ihnen Kraft gegeben haben: ein ehrliches Gespräch, das Lachen der Enkelkinder, eine kleine Reise oder ein vertrautes Hobby. Wenn Sie wissen, was Ihnen guttut, können Sie diese Kraftquellen im neuen Jahr ganz gezielt nutzen.

     


     

    Bestandsaufnahme: Eigene Stärken erkennen 

    Innere Orientierung beginnt mit einfachen, aber wirksamen Fragen: Wo stehe ich gerade? Wie fühle ich mich? Wofür bin ich heute dankbar? Genau auf diesen drei Fragen basiert das 6-Minuten-Tagebuch von Dominik Spenst. Das Prinzip ist einfach: Nehmen Sie sich 3 Minuten morgens und 3 Minuten abends Zeit, um genau diese drei Fragen kurz zu beantworten. Mit der Zeit entsteht eine Sammlung von Momenten, die beweist, dass Sie gute Fortschritte machen. Der Blick löst sich dabei schrittweise weg von den Sorgen und richtet sich mehr auf das, was gelingt und guttut. Der Nutzen des 6-Minuten-Tagebuchs ist wissenschaftlich belegt. Bereits nach 2 Wochen verspürten Studienteilnehmende weniger negative Emotionen und Stress, nach weiteren 4 Wochen waren ihre Resilienz erhöht und ihr subjektives Stressempfinden deutlich verringert.

     

     


     

    Ausblick: Realistische Ziele in kleinen Schritten angehen

    Der Jahreswechsel ist ein guter Anlass, sich neue Ziele zu überlegen. Wenn Sie mit Prostatakrebs leben, sollten diese Ziele gut zu Ihrer aktuellen Situation passen und Sie nicht zusätzlich belasten. Viele Menschen erleben allerdings, dass gute Vorsätze nach kurzer Zeit wieder im Alltag untergehen – oft, weil sie zu groß sind oder nicht fest in den Tagesablauf eingebaut werden. Wichtig ist deshalb, dass aus Vorsätzen wirklich kleine, verlässliche Gewohnheiten werden.


    Genau hier setzt die sogenannte „Tiny-Habit-Methode“ des US-amerikanischen Verhaltensforschers Dr. B. J. Fogg an. Der Wissenschaftler hat seine Erkenntnisse in einem Buch zusammengefasst, das ausführlich erklärt, wie neue Gewohnheiten Schritt für Schritt aufgebaut werden können. Tiny Habits (deutsch: kleine Gewohnheiten) sind so leicht umzusetzen, dass sie auch an schwierigeren Tagen machbar bleiben. Entscheidend ist, dass Ihr Vorsatz mit einer bestehenden Gewohnheit kombiniert wird und so ein Automatismus entsteht – ähnlich wie das Zähneputzen vor dem Schlafengehen. Statt sich vorzunehmen: „Ab morgen mache ich jeden Tag eine halbe Stunde Sport“, könnten Sie sagen: „Nachdem ich mir morgens die Zähne geputzt habe, mache ich eine Kniebeuge an der Waschbeckenkante.“ Diese kleine neue Gewohnheit ist direkt mit dem Zähneputzen verknüpft und lässt sich dadurch ganz leicht in den Alltag integrieren.
     

     


     

    Alltagsrituale etablieren: 5 Ideen für mehr innere Stärke

    Rituale geben Struktur und Halt – gerade dann, wenn vieles im Leben unsicher ist. Sie müssen nicht viel Zeit kosten. Wichtiger ist, dass sie einfach sind und zu Ihnen passen. Hier ein paar Beispiele an Alltagsritualen, die Freude machen und gleichzeitig Ihre Resilienz trainieren: 


    Soziale Bindungen pflegen

    Etablieren Sie ein kleines Ritual in den Tag: ein kurzer Anruf, eine Sprachnachricht, ein Treffen mit einem Menschen, der Ihnen guttut. Sprechen Sie auch über Schönes, über Erinnerungen oder gemeinsame Pläne – nicht nur über die Krankheit. Das stärkt Nähe und Verbundenheit und lässt Einsamkeit erst gar nicht aufkommen.
     

    Selbstwirksamkeit erleben

    Wählen Sie bewusst kleine, selbstbestimmte Schritte: „Heute gehe ich eine Runde um den Block“, „Ich koche mein Lieblingsgericht“, „Ich esse jeden Tag einen „Regenbogen“ aus buntem Obst und Gemüse“. Wenn Sie etwas aktiv gestalten, wächst Ihre innere Stärke.
     

    Gefühle regulieren und innere Balance üben

    Suchen Sie sich bewusst Beruhigungs- und Kraftquellen: Musik hören, im Wald spazieren gehen, in Ruhe eine Tasse Tee trinken, Atemübungen oder Meditation. Machen Sie eines davon zu Ihrem „Notfallritual“, wenn alles zu viel wird.
     

    Zuversicht nähren

    Beenden Sie den Tag mit der Frage: Worauf freue ich mich morgen oder in nächster Zeit? Vielleicht ist es eine Reise, ein Fußballspiel der Lieblingsmannschaft, ein Restaurantbesuch oder einfach ein gutes Buch. Solche kleinen Lichtblicke zeigen: Es gibt auch morgen noch etwas, auf das es sich zu freuen lohnt.
     

     

    Dieser Beitrag wurde vom wertvollER-Redaktionsteam ausgearbeitet.

    Literatur

      https://www.planet-wissen.de/video-resilienz--was-die-seele--stark-macht-100.html
      https://lir-mainz.de/resilienz
      https://6minutenverlag.de/products/das-6-minuten-tagebuch
      https://www.frontiersin.org/journals/psychology/articles/10.3389/fpsyg.2022.896741/full
      https://tinyhabits.com/book/
      https://beatcancer.eu/de/ressourcen/realistische-ziele-setzen-anleitung-zum-erreichen-von-behandlungs-und-genesungserfolgen

       


       

       

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