Komplementärmedizin bei Prostatakrebs
Eine Unterstützung neben der Krebstherapie
Viele Menschen mit Prostatakrebs möchten zusätzlich zu ihrer Krebstherapie selbst etwas für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden tun. Dabei stoßen sie häufig auf Angebote aus der Komplementärmedizin. Diese gehen von pflanzlichen Präparaten über Nahrungsergänzungsmittel bis hin zu Entspannungsverfahren.
Was ist Komplementärmedizin?
Komplementäre Medizin wird zusätzlich und begleitend zu einer Krebstherapie eingesetzt. Dabei geht es oft darum, die Nebenwirkungen der konventionellen Behandlung zu lindern oder über verschiedene Mittel einem Rückfall vorzubeugen. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen komplementärer und alternativer Medizin. Komplementäre Verfahren begleiten die wissenschaftlich fundierte Behandlung, wie zum Beispiel von Prostatakrebs. Alternative Verfahren werden dagegen anstelle einer medizinisch empfohlenen Behandlung eingesetzt.
Doch welche komplementären Verfahren können bei Prostatakrebs sinnvoll sein? Was sagen die Leitlinien? Und wann ist Vorsicht geboten? Wir geben einen Überblick.
Welche Verfahren umfasst die Komplementärmedizin?
Im Zusammenhang mit der Komplementärmedizin werden folgende Aspekte häufig genannt, die teilweise sehr unterschiedlich sind:
- Naturheilkunde und pflanzliche Präparate
- Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel
- Homöopathie oder Misteltherapie
- Traditionelle Heilmethoden wie Ayurveda, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Yoga und weitere Entspannungstechniken
- Immunstimulationen und Therapien zur Stärkung der körpereigenen Abwehr
- Mentale Stärke, Resilienz, Stressabbau sowie Verfahren zur Stressbewältigung und Unterstützung des psychischen Wohlbefindens
Für alle genannten Verfahren gilt dasselbe: Nicht alle sind gleichermaßen wissenschaftlich untersucht oder für Menschen mit Prostatakrebs geeignet. Ob eine Methode sinnvoll sein kann, hängt unter anderem vom jeweiligen Verfahren, dem Therapieziel, der Erkrankung und der laufenden Behandlung ab.
Was sagen wissenschaftliche Leitlinien zur Komplementärmedizin bei Krebs?
Die aktuelle S3-Leitlinie „Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen Patientinnen und Patienten“ (Version 2.0 - Mai 2024) bewertet zahlreiche komplementärmedizinische Verfahren nach dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse.
Eine wichtige Botschaft: Onkologische Patienten, also Menschen mit Krebserkrankungen, sollten mit ihrem Behandlungsteam offen darüber sprechen, welche komplementären Verfahren oder Präparate sie bereits anwenden oder anwenden möchten. Das ist auch deshalb wichtig, weil Wechselwirkungen mit der Krebstherapie möglich sind und es zu einer Abschwächung oder Verstärkung der eigenen Medikamente kommen kann.
Natürlich ist nicht gleich wirksam
Pflanzliche Präparate, Nahrungsergänzungsmittel oder bestimmte Lebensmittel werden häufig damit beworben, den Körper im Kampf gegen Krebs zu unterstützen. Doch „natürlich“ bedeutet nicht automatisch unbedenklich oder geeignet für jeden. Auch spezielle „Krebsdiäten“ sollten kritisch betrachtet werden. Eine Low-Carb-Ernährung wird bei Prostatakrebs beispielsweise nicht mit dem Ziel empfohlen, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Deshalb sollten Patienten auch bei vermeintlich natürlichen Präparaten und Nahrungsergänzungsmitteln die Einnahme am besten vorab mit ihrem Behandlungsteam besprechen.
Wann kann Komplementärmedizin Krebspatienten Hilfestellung bieten?
Ob und in welcher Situation Komplementärmedizin sinnvoll sein kann, muss individuell betrachtet werden. Dabei steht nicht die Behandlung des Tumors selbst im Mittelpunkt. Komplementärmedizin kann vielmehr darauf abzielen, Beschwerden zu lindern, das Wohlbefinden zu unterstützen oder den Umgang mit der Erkrankung und Therapie zu erleichtern.
Was kann ich selbst tun? Diese Frage stellen sich viele Menschen nach einer Prostatakrebsdiagnose. Wer komplementäre Verfahren für sich nutzen oder ausprobieren möchte, sollte gemeinsam mit dem Behandlungsteam prüfen, welche Maßnahmen zum persönlichen Therapieziel und zur aktuellen Behandlung passen. Es gibt Methoden, die sich positiv auf die Krebstherapie und das persönliche Befinden auswirken können; es gibt aber genauso Kombinationen, die das Gegenteil bewirken. Nicht jede komplementäre Methode funktioniert für und mit jeder Therapie, sie kann im Zweifelsfall sogar die Wirkweise der wissenschaftlich fundierten Krebstherapie negativ beeinflussen oder verlangsamen.
Komplementärmedizin ist kein Therapieersatz
Komplementäre Verfahren sollten eine wissenschaftlich fundierte Behandlung von Prostatakrebs keinesfalls ersetzen. Problematisch kann es insbesondere werden, wenn alternative oder komplementäre Verfahren dazu führen, dass eine medizinisch empfohlene Krebstherapie abgelehnt oder verzögert wird. Seien Sie besonders vorsichtig bei Angeboten, die versprechen, Prostatakrebs heilen zu können oder eine ärztlich empfohlene Therapie überflüssig zu machen. Sprechen Sie bei Unsicherheiten immer mit Ihrem Behandlungsteam und holen Sie sich eine fachliche Zweitmeinung ein.
Quellen:
- https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/komplementaermedizin/
- https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/unkonv-methoden/index.php
- https://www.aerzteblatt.de/archiv/212881/Alternative-Medizin-Keine-Alternative-bei-Krebs
- https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/therapieformen/komplementaere-medizin-moeglichkeiten-und-grenzen.html
- https://www.komplementaermethoden.de/