Sport bei Prostatakrebs

Bewegung tut Körper und Seele gut. Und auch Prostatakrebspatienten können sich mit einem moderaten Sportprogramm, vor allem in beschwerdefreien Zeiten, stärken und Stress abbauen. Dabei kurbeln Joggen, Walken und Co. die körperliche Leistungskraft an. Sonnenlicht und frische Luft sorgen für mehr psychisches Wohlbefinden und Motivation. Und das bedeutet nicht nur eine Steigerung der allgemeinen Lebensqualität, sondern kann sich auch günstig auf die Erkrankung auswirken.

 

Bewegung als Unterstützung der Krebstherapie

Seit langem wissen wir, dass man mit Sport Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen, das Körpergewicht halten und das Immunsystem unterstützen kann.1 Heute geht die Forschung auch davon aus, dass sportlich aktive Menschen ihr Risiko für Krebserkrankungen verringern können. Sogar wenn bereits eine (Prostata-)Krebserkrankung besteht, kann körperliche Aktivität ihren Verlauf positiv beeinflussen, indem sie beispielsweise den Blutzuckerspiegel senkt und die Durchblutung fördert. Wer Sport treibt, leidet außerdem nachweislich weniger unter den Nebenwirkungen einer Chemo- oder antihormonellen Therapie. Die gute Nachricht für alle Patienten, die sich eher zu den „Coach-Potatoes“ zählen: Es ist kein Problem, auch erst im Laufe der Krebserkrankung mit einem (moderaten) Bewegungsprogramm zu starten – denn auch dann werden Sie spürbar von positiven Effekten körperlicher Betätigung profitieren.1

 

Mit Sport wertvolle Lebenszeit gewinnen

Ganz konkret untersuchte eine amerikanische Studie die Wirkung von körperlicher Bewegung auf den Krankheitsverlauf bei Prostatakrebspatienten. 

 

Das beeindruckende Ergebnis: Bereits mit einem 90-minütigen Training pro Woche konnten die Studienteilnehmer ihre Lebensdauer signifikant erhöhen. Vom Radfahren bis zum Schwimmprogramm und vom Tennismatch mit Freunden bis zur regelmäßigen Joggingrunde sind der Auswahl an Sportarten hier kaum Grenzen gesetzt. Viele Disziplinen sind geeignet und empfohlen, um sich in Schwung zu bringen.2 

 

Bewegung für die Seele

Ein weiteres Plus an Lebensqualität bietet die regelmäßige Bewegung in psychischer Hinsicht: Sportler haben eine klarere Körperwahrnehmung als „Bewegungsmuffel“, sind ausgeglichener und selbstbewusster und können dadurch besser mit Ängsten und Stress umgehen. Regelmäßige Sporteinheiten wirken sich außerdem günstig auf den gesunden Nachtschlaf aus, der von einem ausgewogenen Wechsel der einzelnen Schlafphasen gekennzeichnet ist. Sportlich aktive Menschen schlafen so erholsamer und fühlen sich dadurch insgesamt wohler und belastbarer. 1,3

 

Sport bei Prostatakrebs – das richtige Maß

Da nicht alle Patienten gleich fit sind und auch das jeweilige Krankheitsstadium eine Rolle spielt, sollten Einsteiger ihr Sportprogramm mit ihrem behandelnden Arzt abstimmen. Für alle, die sich gut fühlen, empfiehlt die Deutsche Krebshilfe, sich drei Mal in der Woche jeweils 60 Minuten zu bewegen. Wer jeweils eine kürzere Sporteinheit bevorzugt, kann auch fünf bis sechs Mal wöchentlich für 30 Minuten körperlich aktiv sein. 

 

Die Einheit für den Stoffwechsel bei körperlicher Aktivität heißt MET (englisch: metabolic equivalent task). Ein MET berechnet sich aus dem Energieverbrauch von einer Kilokalorie pro Stunde pro Kilogramm Körpergewicht. Einen hohen MET-Verbrauch ermöglichen die Sportarten Schwimmen, Fußballspielen oder Joggen. Natürlich gibt es auch im Alltag Möglichkeiten, das MET-Konto aufzufüllen: Aktivitäten im Haushalt wie Staubsaugen, Gartenarbeit oder Rasenmähen gehören ebenso dazu wie Fahrradfahren oder Spazierengehen. Die deutsche Krebshilfe empfiehlt, 18 bis 25 MET pro Woche zu verbrauchen.1

 

Dementsprechend könnte das sportliche Programm in einer Woche so aussehen:

Hohes Fitnesslevel

1h Schwimmen (8 MET)

1h Joggen (7 MET)

1h Gartenarbeit (5 MET)

 

Mittleres Fitnesslevel

1h Gartenarbeit (5 MET)

1h Staubsaugen (6 MET)

1h Walken (4 MET)

1h Fahrradfahren (4 MET)

Niedriges Fitnesslevel

4x1h Spazierengehen (12 MET)

2x1h Fahrradfahren (8 MET)

 

 

Kraft, Ausdauer, Koordination: Training bei Prostatakrebs

Für einen positiven Effekt auf Bewegungsapparat und Herz-Kreislauf-System ist es sinnvoll, sowohl Kraft als auch Ausdauer zu trainieren. In akuten Phasen der Erkrankung und in der Rehabilitation spielt zusätzlich das Koordinationstraining eine wichtige Rolle. Es schult die Fähigkeit, bei Bewegungsabläufen die Arbeit einzelner Muskelgruppen aufeinander abzustimmen. Patienten spüren die Wirkung dieses Trainings daran, dass Handlungsabläufe im Alltag müheloser werden. Außerdem kostet die einzelne Bewegung weniger Kraft, fehlende Energie wird ersetzt und der Gleichgewichtssinn verbessert. Das Koordinationstraining ist leicht erlernbar und es besteht nahezu keine Verletzungsgefahr.

 

Tipps für Koordinationsübungen wie die Standwaage oder das Training mit einem Ball finden Sie auf der Seite der Apotheken Umschau (https://www.apotheken-umschau.de/Sport/Gleichgewicht-und-Koordination-trainieren-10498.html) oder des Deutschen Turner-Bundes (http://www.dtb-online.de/portal/gymcard/gymnastik-fitness/bewegung/uebungen-fuer-zwischendurch/koordination-und-konzentration.html).

 

Zur Lockerung der Muskeln und Vorbeugung von Fehlhaltungen ist es sinnvoll, ein Beweglichkeitstraining zu ergänzen. Alleine oder gemeinsam mit einem Partner können Sie so Fehlhaltungen, Schmerzen und Muskelverkürzungen vorbeugen.

 

Während der Übungen ist es wichtig, auf sich zu achten und Pausen einzulegen, bevor es zu anstrengend wird. Trinken Sie vor dem Sport und währenddessen ausreichend Wasser und erholen Sie sich anschließend bewusst!1

 

 

Spezielle Sportangebote für Krebspatienten

Die meisten großen Krebszentren und Kliniken informieren über Sportangebote speziell für Krebspatienten oder bieten selbst Kurse an. Auch Krankenkassen, Selbsthilfegruppen und Krebsberatungsstellen unterstützen Patienten dabei, fit zu werden und zu bleiben. Regionale Sportangebote finden Interessierte auf den Internetseiten des Deutschen Olympischen Sportbunds. (https://suche.service-sportprogesundheit.de/)

Literatur