Fachbegriffe und Abkürzungen für
Prostatakrebs-Patienten

Eine neu gestellte Krebsdiagnose kann Untersuchungen und in vielen Fällen auch Behandlungen nach sich ziehen. Das Leben des Patienten steht plötzlich Kopf und nichts ist mehr wie es vorher war. Vielen Patienten kann es da ein Stück Sicherheit geben, mehr über ihre Erkrankung zu wissen und die nächsten Schritte zu kennen. Denn wer seinen Befund versteht, hat es leichter Therapieentscheidungen mitzutragen. Hier stellen wir Ihnen eine Reihe von Fachbegriffen und Abkürzungen vor, mit denen sich Ärzte untereinander verständigen und die jeder Prostatakrebspatient schon einmal gehört haben sollte.

Der Befund
 

Spricht der Arzt von einem negativen Untersuchungsergebnis, heißt das, dass keine Auffälligkeiten, oder Hinweise auf eine Erkrankung gefunden wurden. Der negative Befund ist somit ein gutes Ergebnis und für den Patienten in der Regel eine sehr gute Nachricht. 

 

Anders sieht es bei einem positiven Ergebnis aus. Hier hat die Untersuchung Hinweise auf eine Erkrankung ergeben – beispielsweise, wenn in den Gewebeproben, die aus der Prostata entnommen wurden, bösartige Veränderungen gefunden wurden. 

 

o.B. ist ein Kürzel und steht für „ohne Befund“. Darunter versteht man, dass der Arzt anhand der gewählten Untersuchungsmethode, zum Beispiel Ultraschall oder Röntgen, keine Krankheit nachweisen konnte. 

 

Diagnoseschlüssel 
 

Um eine Krebserkrankung exakt zu beschreiben, verwenden Ärzte einen sogenannten Diagnoseschlüssel in einem Klassifikationssystem, den ICD-10-GM (International Classification of Diseases). Der national und auch international gültige, aus Zahlen und Buchstaben zusammengesetzte "Code", ermöglicht es Ärzten aller Fachbereiche, eine Erkrankung exakt darzustellen. 

 

Das TNM-System
 

Das TNM-System beschreibt Ausbreitung und Stadien einer Krebserkrankung. Dabei steht T für Tumor, N für Nodus (Lymphknoten) und M für Metastasen. Für die drei Bereiche gelten folgende Gesichtspunkte zur Beschreibung:

 

T: Größe und Ausbreitung des Tumors

N: Fehlen oder Vorhandensein von örtlichen bzw. benachbarten Lymphknotenmetastasen

M: Fehlen oder Vorhandensein von Fernmetastasen – bei Prostatakrebs sind das beispielsweise Metastasen in den Knochen, der Lunge oder Leber

 

Die Zahlen hinten der Buchstaben T, N, M geben an, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist.

 

  • • Beim Primär-Tumor (T): Die angehängte Zahl (1-4) zeigt an, ob der Tumor auf die Prostata begrenzt ist oder in die Prostatakapsel oder benachbarte Strukturen einwächst. T0 heißt, dass kein Primärtumor nachweisbar ist.
  • • Hinsichtlich der Lymphknoten (N): N0 bedeutet, dass keine Lymphnoten befallen sind. N1-3 zeigt einen zunehmenden Lymphknotenbefall an.
  • • In Bezug auf mögliche Metastasen (M): M0 heißt, dass es keine Hinweise auf entfernte Metastasen gibt, während M1 für das Vorhandensein von Metastasen steht. Durch die Buchstaben a-c werden die Fernmetastasen aufgrund ihres Auftretens eingeteilt: 
    • o M1a Extraregionärer (=peripherer) Lymphknotenbefall
    • o M1b Knochen 
    • o M1c Andere
    •  

Ärzte kombinieren die Buchstaben und Zahlen, damit die Kollegen sofort erkennen können, welche Diagnose bereits gestellt wurde. 

 

Zum Beispiel: T4 N3 M1 würde anzeigen, dass der Patient einen Tumor hat, der benachbarte Strukturen wie zum Beispiel den Blasenhals infiltriert, sich auf die Lymphknoten ausgebreitet und entfernte Metastasen gebildet hat. T1 N0 M0 hingegen beschreibt einen nicht tast- und sichtbaren Tumor (nur durch Biopsie nachgewiesen) ohne benachbarten Lymphknotenbefall und ohne Fernmetastasen.

 

Die R-Klassifikation

 

Nach dem Abschluss einer Krebstherapie wie einer Operation oder Bestrahlung beurteilen Ärzte anhand der so genannten R-Klassifikation, ob noch Tumorreste (Residualtumor) im Körper zurückgeblieben sind oder ob er durch die Operation vollständig entfernt werden konnte.ii Dabei unterscheidet man vier

Gruppen:

 

R0: Kein Resttumor. Patient vollständig tumorfrei.

R1: Mit dem Mikroskop ist ein Resttumor erkennbar.

R2: Mit dem Auge ist ein Resttumor erkennbar.

RX: Vorhandensein eines Resttumors kann nicht beurteilt werden

 

Der Gleason-Score

 

Der sogenannte Gleason-Score ist ein ursprünglich von dem Pathologen Donald Gleason entwickeltes System, um Differenzierungs- und Wachstumsmuster eines Prostatakrebses beurteilen zu können. Hierbei wird beurteilt, wie sehr sich das Tumorgewebe von normalem Gewebe unterscheidet, wie sehr es „entdifferenziert“ ist. Dabei sind für die Beurteilung 5 Gleason-Muster definiert, denen die Zahlen 1-5 zugewiesen sind. Je weniger sich das Tumorgewebe vom ursprünglichen Gewebe unterscheidet, desto niedriger ist die Zahl.  In einem Prostatakrebs bilden sich in der Regel die Gleason-Muster 3, 4 und 5 aus. Aus der Häufigkeit der jeweiligen Muster wird dann abschließend der Gleason-Score berechnet, für den die Zahlen des häufigsten und zweithäufigsten Musters zusammengerechnet werden. Wenn zum Beispiel am häufigsten Muster 3 und am zweihäufigsten Muster 4 vorkommen, ist dies ein Gleason-Score von 3+4 =7.

Die Zahlen des Gleason-Scores drücken folgendes aus: 

 

Gleason-Score 2 - 4: gut differenzierter Tumor

Gleason-Score 5 - 6: mittelgradig differenzierter Tumor

Gleason-Score 7: mittelgradig bis schlecht differenzierter Tumor

Gleason-Score 8 - 10: schlecht bis entdifferenzierter Tumor

Die Behandlung des Patienten richtet sich insgesamt nach dem PSA Wert, der Umfelddiagnostik (CT/MRT/Knochenszintigraphie), dem TNM und ggf. R Stadium sowie dem Gleason-Score.

 

Das biochemische Rezidiv

 

Wenn der Arzt von einem biochemischen Rezidiv spricht, bedeutet das, dass der PSA-Test auf ein Wiederauftreten der Krebserkrankung hinweist, auch wenn der Betroffene keine Beschwerden hat. Beim Prostatakrebs ist dies der Fall, wenn der PSA-Wert nach oder während einer Therapie wieder ansteigt. Das so genannte PSA-Rezidiv ist oft der sehr frühe Hinweis auf ein Wiederauftreten oder Fortschreiten der Erkrankung. Hintergrund eines biochemischen Rückfalls kann sowohl ein Lokalrezidiv als auch eine fortgeschrittene Erkrankung mit Lymphknotenmetastasen oder sogar Fernmetastasen sein. Es gibt aber zu diesem Zeitpunkt mit Hilfe der normalen radiologischen Bildgebung keinen Hinweis darauf, dass sich Metastasen oder ein Lokalrezidiv gebildet hat. Um dann schnellstmöglich (be-)handeln zu können, ist es wichtig, den PSA-Wert erneut kurzfristig zu kontrollieren, um anhand der Verdopplungszeit den Erkrankungsfortschritt besser einschätzen zu können.

 

Das Lokalrezidiv

 

Beim Prostatakrebs bedeutet die Diagnose Lokalrezidiv, dass der ursprüngliche Tumor im Bereich der Prostata erneut wächst. Wenn der PSA-Wert nach einer zunächst abgeschlossenen Behandlung wieder ansteigt, gilt es zu klären, ob es sich um einen örtlich begrenzten Rückfall oder bereits einen Erkrankungsfortschritt in Form von Metastasen handelt. Hinweise dafür, dass der Tumor nur an seinem ursprünglichen Ort weiterwächst sind, das Ergebnis einer vorangegangenen Operation und ein langsam steigender PSA-Wert. So kann es sein, dass wenn der Tumor bei der ersten Behandlung nicht vollständig entfernt werden konnte, er zu einem späteren Zeitpunkt dort weiterwächst.vi

 

Bei Fragen zu Ihrer Prostatakrebserkrankung steht Ihnen Ihr behandelnder Urologe zur Seite. Darüber hinaus können Sie sich kostenlos täglich von 8 bis 20 Uhr unter 0800 - 420 30 40 an den Informationsdienst des deutschen Krebsforschungszentrums wenden.

Literatur